Globale Entwicklung als Aufgabe der ganzen Schule?! Kommentar zum neuen Kapitelentwurf für die zweite Auflage des Orientierungsrahmens

Seitdem im Juli dieses Jahres eine Entwurfsversion zur Weiterentwicklung des Orientierungsrahmens „Lernbereich Globale Entwicklung“ zur Kommentierung veröffentlicht wurde, geben Expert(innen) aus Wissenschaft und Praxis Empfehlungen zur weiteren Ausgestaltung.  Auf einer zweitätige Fachtagung schließlich kamen am 03. und 04. September 2014 Akteure aus Politik, Wissenschaft und Zivilgesellschaft auf Einladung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Entwicklung und Zusammenarbeit (BMZ) und der Kultusministerkonferenz (KMK)  in Bad Honnef zusammen, um diesen Entwurf zu diskutieren. Diese Anhörung kann sicherlich als Höhepunkt dieser Kommentierungsphase benannt werden bevor eine intensive Überarbeitungsphase folgt und das Dokument im Dezember vom Schulausschuss verabschiedet werden soll.

Eine zentrale Weiterentwicklung des Orientierungsrahmens betrifft die Einführung eines neuen Kapitels: „Der Lernbereich Globale Entwicklung als Aufgabe der ganzen Schule“ (Kapitel 5, vgl. S. 291ff in der Entwurfsfassung von Juli 2014). Die Fachstelle GLiS – Globales Lernen in der Schule begrüßt ausdrücklich, dass dieses neue Kapitel nun aufgenommen wurde! Die Integration von globalen Themen kann aufgrund ihrer inhaltlichen und zeitlichen Komplexität nicht nur durch die Anpassung von formalen Unterrichtseinheiten in einzelnen Fächern geschehen. Globale Themen müssen fachübergreifend behandelt werden, dem wird dieses Kapitel gerecht. Jedoch kann Lernen im Sinne des Leitbildes einer nachhaltigen Entwicklung auch nur glaubwürdig sein, wenn der institutionelle Rahmen, in welchem Lernen stattfindet, diesem Leitbild folgt. Konkret bedeutet dies, dass Schulen selbst ihr Handeln im Kontext globaler Entwicklung reflektieren und entsprechend dem Leitbild nachhaltiger Entwicklung gestalten müssen, um ihrer Vorbildfunktion außerhalb formaler Lernsettings gerecht zu werden.

Die jetzige Version des Kapitels bezieht sich auf den sogenannten „Whole-School-Approach“, der dieser Perspektive größtenteils entspricht. An einigen Stellen könnte das Kapitel jedoch noch klarer und einführender diese Perspektive erörtern. Die Fachstelle kritisiert zudem die Verortung dieses Kapitels relativ weit hinten im Orientierungsrahmen. Eine ausführliche Kommentierung hierzu brachte Sonja Richter, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Comenius-Institut im Rahmen der Anhörung in Bad Honneff ein.

Eine öffentliche Kritik erfährt der aktuelle Entwurf des Orientierungsrahmens zudem von Initiativen, Organisationen und Netzwerken der Zivilgesellschaft und Wissenschaftler(innen), die im Kontext rassismuskritischer, dekolonialer oder machtkritischer Bildungsarbeit arbeiten oder forschen. In einem offenen Brief fordern Sie die KMK-BMZ-Arbeitsgruppe auf, postkoloniale und machtkritische Perspektiven in Grundhaltung, theoretische Rahmung und Inhalte tiefer zu verankern.

Weiterlesen:

Kommentar von Sonja Richter, Fachstelle GLiS – Globales Lernen in der Schule

Link zum “Offenen Brief”: www.decolonizeorientierungsrahmen.wordpress.com

Entwurfsversion des Orientierungsrahmens zum Lernbereich Globale Entwicklung (Kapitel 5: S. 291 ff.)

 

 

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